Unsere Vereinsgeschichte

 

Haaren ist ein Dorf der Geselligkeit mit einer fröhlichen, aufgeschlossenen, kontaktfreudigen Bevölkerung, mit der es sich gut zusammenleben und feiern lässt. So empfand es auch Toni Feilzer, als er zu Beginn des Jahres 1950 in Haaren als Lehrer antrat und sich bald in diesem Grenzdorf heimisch fühlte. Das zu dieser Zeit für die Haarener Bevölkerung Karneval fast ein Fremdwort war, kann sich heute kaum ein Haarener oder Karnevalsgast vorstellen.

Ein Beispiel mag das belegen: Es war Rosenmontag 1950. Toni Feilzer unterrichtete nachmittags von 13:00 bis 17:00 Uhr sein 1. bis 3. Schuljahr. Da ein Kölner seine Herkunft nicht leugnen kann, floss in den Unterricht etwas Karnevalsfreude ein. Wie freuten sich die Kinder, als sie nach Schulschluss alle mit bemalten Gesichtern nach Hause eilten. Unwissend hatte der junge Lehrer eine schlimme Sünde begangen, denn in Haaren war Stundengebet. Das war Tradition, und die verbot nach Meinung des Dorfpfarrers an diesem Tag jede Narretei.

 

„Wollen wir zwei einen Karnevalsverein gründen?“

Traditionsbewusst waren auch die Haarener Vereine. Hier pflegte man neben der Vereinsaufgabe auch die Geselligkeit, in die auch die Dorfgemeinschaft eingeschlossen wird. Sehr beliebt war der jährliche Theaterabend des Männergesangsverein Cäcilia. Star der damaligen Laienschauspieler war unser verstorbener Ehrenvorsitzender Josef Jörissen. Nach einem solchen Theaterabend saßen die Mitwirkenden in fröhlicher Runde im Braustüb’l der Westmark Brauerei und feierten den Erfolg. Die Wellen des Frohsinns wirkten ansteckend auf die Skatfreunde, in der auch der damalige Vorsitzende des Männergesangsvereins Gotthard Kirchner saß. Er wurde aufmerksam, bat Toni Feilzer an den Skattisch und legte mit der Frage: „Herr Lehrer, wollen wir zwei einen Karnevalsverein gründen?“, den Grundstein zu unserer Gesellschaft.

So begann bald das Planen. Originale wurden gesucht, die Freude und Frohsinn vermitteln können. Gesetzte Herren mussten her, die den närrischen Rat verkörpern sollten. So trafen sich eine Reihe interessierter Männer im Braustüb’l. Gotthard Kirchner leitete die Versammlung. Er erläuterte seine und Toni Feilzers Vorstellungen und fand ungeteilte Zustimmung. Als erster Präsident wurde Gotthard Kirchner gekürt.

 

Die Namensfindung

Die Vorbereitung für die erste Sitzung der Session 1951/52 konnte beginnen. Büttenredner, Krätzchenssänger, Elferratsmitglieder standen bereit. Es fehlte nur noch der Name für den Haarener Karnevalsverein.

„Ich liebe mir den heiter`n Mann am meisten unter meinen Gästen: Wer sich nicht selbst zum Besten haben kann, der ist gewiss nicht von den Besten“

Dieses Goethezitat führte uns auf den richtigen Weg. Bezugnehmend auf die „Alte Klus“ nannte man die Haarener im Heinsberger Land kurz „Kluser“. In vielen Häusern der „Kluser“ gab es morgens oder auch abends eine einfache Milchspeise, die „Kluser Papp“. Spöttisch nannte man deshalb die Haarener „Kluser Pappmule“. Der Name war gefunden. Der Spottname „Kluser Pappmule“ wurde ein Markenzeichen für den Haarener Karneval.

Noch heute wird beim inzwischen zur Tradition gewordenen Sessionsausklang des Fanfarencorps am Veilchendienstag „Kluser Papp“ angeboten.

 

Pappmul Ahoi  – der neue Schlachtruf war geboren

Die erste Sitzung stand. Das Bühnenbild, ein Narrenschiff, begeisterte die Aktiven und die Sitzungsbesucher. Der Elferrat mit Narrenmütze, schwarzem Anzug, mit roter Schärpe und weißer Blume war eingezogen und hatte Platz genommen. Neben dem Präsidenten saß Nelli Plum, unsere Marketenderin. Präsident Gotthard Kirchner hatte die Gäste begrüßt und wollte mit einem dreifach kräftigen „Pappmul Alaaf“ die Begrüßung schließen. Sein Ruf „Dem Haarener Karneval ein dreifach kräftiges Pappmul….“ aber blieb unbeantwortet. Im Saal blieb es ruhig. Nur Nelli, die Marketenderin, rief da sie ja auf einem Schiff Platz gefunden hatte: „AHOI“. Auf das zweite „Pappmul“ schallte es aus dem Saal zurück: „AHOI“ Beim dritten Ruf des Präsidenten „Pappmul…“ erklang das „AHOI“ schon in der heutigen Lautstärke. Ein neuer Schlachtruf war geboren: „Pappmul Ahoi“

 

Der Präsident und sein „Papplaepel“

Pappmule-Logo_mediumErstaunlich schnell hatte sich der Elferrat gefunden, unter ihnen „Lieresch Dei“ (Theo Schreinemachers). In den Vorgesprächen stellte sich auch die Frage nach Prinz und Zepter. Auf einen Prinzen wollte man verzichten, was man übrigens bis zum 50-jährigen Bestehen des Vereins einhielt. Damit war die Frage nach dem Zepter wohl auch geklärt. Der Präsident aber meinte: „Zur Kluser Papp gehört wohl ein großer Papplaepel“. Nun war es n den Anfängen des Haarener Karnevals nicht leicht, sich zu den „Kluser Pappmule“ zu bekennen, da der damalige Pfarrer über diese Vereinsgründung nicht gerade erfreut war. Vielleicht war das der Grund, dass „Lieresch Dei“ nach der ersten Sitzung aus der närrischen Regierung ausschied. Seine Suppenkelle, den „Papplaepel“ aber spendete er als Lösegeld den Kluser Narren. Er dient heute schon mehr als fünfzig Jahre bei allen Sitzungen und allen offiziellen Auftritten der Pappmule dem Präsidenten als Zeichen seines Amtes. Dass die Löffelschale bei allen Auftritten den nötigen Glanz ausstrahlt, ist Aufgabe der jeweiligen Präsidentengattin.

 

Unser Vereinslied – das Pappmule-Lied

In der Session 1952/53 überraschte Toni Feilzer seinen Präsidenten Gotthard Kirchner und seinen Sangesfreund Joef Jörissen mit dem Entwurf zu einem Vereinslied. In Variation des „Klingwalzers“ hatte er einen Text geschrieben. Die Textidee und vor allem der Refrain fanden neben der eingehenden Melodie ungeteilten Beifall. Die zweite Strophe seines Entwurfes wurde gemeinsam überarbeitet und eine dritte Strophe hinzugedichtet. Das „Pappmule-Lied“ war geboren und wurde auf der ersten Gala-Sitzung 1953 uraufgeführt. Seit mehr als fünfzig Jahren erklingt dieser schöne Schunkelwalzer bei jeder offiziellen Veranstaltung der Kluser Pappmule.

 

Das neue Aushängeschild des Vereins: unser Fanfarencorps

Im Jahr 1956 reifte der Plan, ein Fanfarencorps zu gründen. „Kniene Mane Nöll“ (Arnold Krings) wurde der erste Kommandant. Für die notwendigen Fanfaren wurden Stifter gesucht und gefunden.“Küke Matthes“(Mathias Görtz) versprach die ersten Fanfaren und der Präsident stand ihm nicht nach. Die Handwerker und der Elferrat spendeten die Landsknecht-Trommeln.Fanfarenkorps
Am 30. Januar 1957 zog der Elferrat, angeführt vom neuen Fanfarencorps, unter den Klängen des Fehrbelliner Reitermarsches in die Selfkanthalle ein. Bis zum heutigen Tag erfreut das Fanfarencorps bei allen Auftritten die Gäste mit ihren beliebten Potpourris. Mit Fug und Recht kann man dieses Corps als Aushängeschild der Kluser Pappmule bezeichnen.

 

Mehr als 40 Jahre Parodien auf höchstem Niveau

Schon zur ersten Sitzung der Kluser Pappmule hatte sich mit Josef Jörissen, Toni Feilzer und Willi Sonntag eine Parodistengruppe gebildet. Die Übereinstimmungen in Melodie und Text, sei es zu aktuellen Ereignissen im Dorf oder in der „großen Politik“, blieben bis zu Auflösung im Jahre 1995 das Markenzeichen der Parodisten. Die Sänger wechselten im Laufe der Jahre, aber die Parodisten blieben ihrem Stil treu. Sie erfreuten die Karnevalsfreunde weit über das Heinsberger Land hinaus und machten die Kluser Pappmule in Stadt und Land bekannt. Zu den Parodisten gesellten sich im Laufe der Jahre zahlreiche engagiere Büttenredner. Im Jahre 1981 stellten zum ersten Mal einige Elferratsmitglieder ihre tänzerischen Qualitäten als Männerballett unter Beweis. Sie blieben viele Jahre ein ständiger Höhepunkt bei den Sitzungen.

 

Präsidentenreigen

  • 1951 – 1959: Gotthard Kirchner
  • 1959 – 1964: Toni Feilzer
  • 1964 – 1997: August Kirchner
  • 1997 – 2008: Dr. Gotthard Kirchner
  • 2008 – 2011: Karl-Peter (Carlo) Robioneck
  • seit 2011: Björn Schröders
Gotthard Kirchner Toni Feilzer
Gotthard Kirchner
1951 – 1959
Toni Feilzer
1959 – 1964
August Kirchner Gotthard Kirchner
August Kirchner
1964 – 1997
Dr. Gotthard Kirchner
1997 – 2008
Carlo Robioneck Björn Schröders
Karl-Peter Robioneck
2009 – 2011
Björn Schröders
seit 2011

 

Im Jahre 1959 wechselte der Papplaepel in die Hände von Toni Feilzer, der ihn bis 1964 erfolgreich durch die Sessionen schwenkte. So ganz nebenbei schrieb er die eine oder andere Büttenrede, schmissige Karnevalslieder und stand erfolgreich mit den Parodisten auf der Bühne.

Eine Sternstunde für die Kluser Pappmule war wohl die Generalversammlung im November 1964. August Kirchner stellte sich als Präsident und Geschäftsführer dem Verein zur Verfügung. Bis dahin hatte er mit viel Engagement als Büttenredner und Parodist das närrische Volk erfreut. Wieviel Freude er damit seiner Frau Anneliese für Jahrzehnte bereiten würde, konnte diese damals noch nicht ahnen. Dass dabei Anneliese Kirchner zur „Mutter er Kompanie“ avancierte, war wohl eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Kluser Pappmule, wo fortan auch die Elferratsfrauen wichtige Rollen übernahmen.

 

Ein schmucker Prinz …

Der erste PrinzEin Lieblingslied unseres heutigen Ehrenpräsidenten war und ist: „Ach wär ich nur ein einzig Mal ein schmucker Prinz im Karneval …“

Dieser Herzenswunsch ging zum 50-jährigen Jubiläum der Kluser Pappmule für ihn endlich in Erfüllung. Als Prinz August I. konnte man ihn zusammen mit seiner Prinzessin Anneliese im traditionellen Tulpensonntagszug bewundern. Im Jubiläumsjahr 2006 zum 55-jährigen folgte ihm Ehrenvorsitzender Hans Peters als Prinz Hans I. mit Prinzessin Kathi.

Eine Besonderheit des Haarener Karnevalszuges ist, dass neben Kamelle, Schokolade und sonstigen Süßigkeiten, 11.111 Portionen Eis unter das närrische Volk gebracht werden. Aufgrund dieser Tatsache spricht man gelegentlich vom „Eiszug“, und dies ist einmalig in der Region, vielleicht auch in Deutschland.

Jahr für Jahr steigerte August Kirchner die Qualität und das Angebot an karnevalistischen Veranstaltungen. Neben dem Sitzungskarneval und den Kostümbällen wurde der Wunsch wach, im Straßenkarneval das ganze Dorf einzubeziehen. Nachdem es gelungen war, die Fußgruppen am Karnevalszug zu beteiligen (Nachbarschaften, Vereine, Kegelclubs..) und der Zug inzwischen mehr als 60 Einheiten (mittlerweile finden immer mehr auswärtige Karnevalsjecken Spaß an unserem Zug) erreicht hat, fehlte noch eine zündende Idee, den Altweiberdonnerstag attraktiver zu gestalten.

 

Altweibertreiben, Tulpensonntagszug, Kindersitzung, …

Die Fertigstellung der Kreissparkasse 1986/87 nahm man nicht nur als Motto im Sessionsorden auf: „Wir han en Sparkass on en Bank, jetzt könne wir fiere Gott sei Dank“ sondern man nahm die Einladung der Kreissparkasse zu einem Umtrunk gerne an. Der Elferrat lud sich bei dieser Gelegenheit auch bei der Volksbank, die ja ebenfalls auf dem Orden vermerkt war, selber ein. Seither werden regelmäßig am Altweibertag die Banken „gestürmt“, die Angestellten zum Marktplatz entführt, um dort gemeinsam mit zahlreichen bunt kostümierten Gästen und Gruppen kräftig Altweiber zu feiern. Wie sehr das Altweibertreffen angenommen wurde, zeigt sich seit Jahren beim abschließenden Ball in der Selfkanthalle. Zu vermerken sei noch, dass der Eintritt zum Altweiberball und zum Zugausklang „frei“ ist. Zur „Selfkanthalle“ sei hier noch erwähnt, dass sie auf Betreiben von August Kirchner unter der Beteiligung vieler freiwilliger Helfer aus der Gemeinde und den Vereinen 1991 in Eigenleistung wieder neu erstellt wurde.

Dass die Kinder nicht zu kurz kommen sollten, war für August Kirchner und seinen Elferrat eine Selbstverständlichkeit. So zieht man bis heute am Altweiberdonnerstag mit dem Fanfarencorps und der inzwischen gegründeten 1. Haarener Präsidentengarde in den Kindergarten am Marktplatz ein, um dort ein wenig Frohsinn zu verbreiten und das Interesse der Kinder am Brauchtum Karneval zu wecken. Eine Portion Eis für die Kinder ist natürlich selbstverständlich mit dabei.

Kluser Pappmule DenkmalDie Veranstaltung auf dem Marktplatz wird von der Jugendabteilung des FC Concordia Haaren organisiert und durchgeführt. Sie stellt seit vielen Jahren das Kinderprinzenpaar und selbstverständlich bietet bei der Kinderprinzenproklamation und auf der Kindersitzung das Fanfarencorps und die Präsidentengarde ihr karnevalistisches Programm dar.

Während der Präsidentschaft von August Kirchner reifte die Entscheidung, in Haaren ein Pappmule Denkmal zu errichten. Unter großem Engagement von Anneliese Kirchner wurden Spenden gesammelt und eine geeignete Künstlerin gefunden, Handwerker zum Errichten des Denkmals gesucht und gefunden und ein von vielen Menschen beachtetes, schönes Denkmal in der Nähe von Kirche, Sudhaus und dem berühmten Braustüb’l errichtet.

 

Die Geburtsstunde der Präsidentengarde

33 Jahre Präsident der Kluser Pappmule nahm August Kirchner zum Anlass, den Papplaepel weiterzureichen, und zwar an seinem Sohn Dr. Gotthard Kirchner. Zu diesem Ereignis hatten sich die ehemaligen Mannschaftskollegen der Fußballmannschaft des neuen Präsidenten etwas Besonderes einfallen lassen: Sie gründeten die 1. Haarener Präsidentengarde und boten auf Sitzungen einen zackigen Gardetanz nach Kölner Vorbild und Tradition. Der große Beifall und die Bitte des neuen Präsidenten weiterzumachen, überzeugte die Garde. So wurde sie ein fester Bestandteil des Karnevalsvereins. Seither begleitet die Präsidentengarde „ihren“ Präsidenten zu jeder Veranstaltung und bietet den Gästen ihre Gardetänze mit großem Erfolg dar. Zu ihrem Wachlokal erkoren sie, wie könnte es anders sein, das „Westmark Stüb’l“ (ehemals Braustüb’l).

 

Die Kluser Pappmule im neuen Jahrtausend

In der Session 2008/09 übernahm Carlo Robioneck das Amt des Präsidenten und führte den Verein bis 2011.

Björn Schröders steht seit der Session 2011/12 an der Spitze der „Kluser Pappmule“ aus Haaren.

 

Allen Karnevalsfreunden und Lesern unserer Webseite ein dreifach kräftiges

„PAPPMUL AHOI“

Karneval in Haaren

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